Montag, 5. September 2016

Hallo liebe Leute,

ich wollte mich mal wieder bei euch melden, nachdem jetzt so häufig nachgefragt wurde.
Nicht, dass ihr denkt, es sei etwas passiert ;)

Natürlich hatte ich in den vergangen Monaten den ein oder anderen Relaps, wonach ich mich dann erstmal wieder selbst sortieren musste. Sobald man drin ist, fangen die Gedanken an, sich zu verketten und es ist gar nicht so einfach, das Netz wieder auseinander zu spinnen.

Da diese Rückschläge immer wieder kommen werden, müssen wir lernen, die Identifikation mit den Ängsten sofort zu unterbrechen wenn sie kommen- Was zugegebenermaßen recht schwer ist weil die Ängste und einhergehenden Gedanken einen eintrichtert möchten, dass man sich gefälligst um sie kümmern soll. Dass man alle Gefahren abwägen muss, dass man, wenn man nur lang genug drüber nachdenkt, eine dauerthafte Lösung finden wird.

So ein heimtückischer kleiner Kerl, dieser Zwangsgedanke. Er lügt uns doch tatsächlich was vor.

Denn in Wirklichkeit wird gar nichts besser, je mehr wir uns (im Kopf) mit den Sorgen und Ängsten beschäftigen. Wir rutschen immer tiefer rein, nehmen jeden Gedanken immer ernster, daraufhin kommen immer wieder neue Gedanken dazu- solange bis nichts mehr geht und man krampfhaft versucht, aus dem Wirrwarr wieder heraus zu kommen bzw. einen Lösungsweg zu finden um dem Druck zu entgehen.

Habt ihr euch schon einmal mit dem OCD-Kreislauf beschäftigt? Und wie er das Feuer immer am Lodern hält ohne dass Besserung eintritt?

Diesen hatte ich schon fast wieder vergessen, doch es hilft ungemein, wenn man ihn sich immer wieder vor Augen hält. Ich habe ihn mir während der ersten Therapie zu Gemüte geführt und die allgemeine englische Version für mich persönlich noch einmal ergänzt, sodass er zu mir persönlich passt und ich eigene Verhaltensmuster besser erkennen und dem entgegensteuern kann.

Zu wissen, wie das Ganze funktioniert, hilft mir, aus dem Gedankenkreislauf auszubrechen- Wissen ist ja bekanntlich Macht. Man kann keinen Fortschritt machen, wenn man nicht das große Ganze hinter der Misere sieht, sondern dauerhaft mit seinen Ängsten identifiziert ist und diese alle zu ernst nimmt.


Darüber hinaus geht es mir gut.
Ich bin gerade dabei, Themen zusammen zu tragen, die immer wieder im Verlauf des Ganzen aufkommen. Vielleicht entsteht ja irgendwann einmal ein kleines Büchlein draus, in das man immer wieder schauen kann, wenn es akut wird.

Denkt anhand dieses Posts auch immer daran, dass das Nachfragen (egal ob bei mir, Freunden, Eltern oder anderen) eine "Compulsion" ist und dass ihr, egal wieviel Bestätigung ihr von außen bekommt ("Ja, das ist normal und gehört zum "Krankheitsbild" dazu."), nie auf Dauer die gewünschte Erleichterung erhalten werdet. Auch wenn die Ängste einen dazu verleiten, zu glauben, dass irgendwo die Masterlösung zu finden sei.

All das zeigt nur, dass ihr noch sehr mit den Gedanken identifiziert seid und hofft eure Antwort auf Beziehung- und Liebesfragen, irgendwo außerhalb von euch zu bekommen.

Fangt an, euch selbst zu vertrauen. Ihr braucht nicht die Meinung anderer Leute. Macht euch eure eigene :) Nur die zählt. (Dazu aber in einem anderen Post mehr)

Ich hoffe, euch geht es auch gut. Es tut mir übrigens leid, wenn ich nicht alle Mails beantworten kann. Es kommen doch schon einige und ich gebe mein Bestes, aber komme nicht so wirklich mit dem Antworten hinterher!

Eure Orchidee





Montag, 28. September 2015

Den Fokus von der Partnerschaft wieder auf sich selbst lenken

Nachdem ich soeben eine lange Mail an eine Leserin verschickt habe, möchte ich euch allen den darin mitgelieferten Hinweis auch noch zukommen lassen.

Viele Leute fragen mich nach praktischen Tipps. Dies ist natürlich immer recht schwierig, da die Heilung mit der Arbeit an sich selbst beginnt (vorrangig in einer Therapie). Und diese Arbeit bedeutet natürlich auch immer Einsicht. Einsichten benötigen Zeit und Erfahrung. Deshalb ist die Regeneration leider so ein langwieriger Prozess. Den muss man durchhalten. Aber dann wird es besser, versprochen.

Was mir gut geholfen hat und für mich recht gut in der Praxis umzusetzen ist, ist die Rückfokussierung auf mich selbst.

"Es ist eigentlich eine Farce.", dachte ich in dieser bestimmten Therapiesitzung, "Jetzt soll ich so stark auf mich achten um die Gedanken und Ängste loszuwerden und die Beziehung zu retten? Das funktioniert niemals!" Es war mein größter Graus. Ich dachte, wenn ich nun wirklich erst einmal nur mich sehe und es mir anschließend wieder besser gehen sollte, dann kann ich die Beziehung gleich in die Tonne treten, denn bis dahin werde ich gemerkt haben, dass ich mich tatsächlich trennen muss - einer der vielen lustigen Sprüche des Zwangsgedanken.

Tatsächlich funktionert es aber genau so: Denk an dich. Du bist "krank". Du musst gesund werden. Der Partner ist erst einmal außen vor. Das ist ok. Sei doch endlich mal nett zu dir!
Ich habe mich also selbst ins kalte Wasser geworfen - und ich hatte solche Angst!

Ich habe mich mit dem Thema auseinander gesetzt, dass die Beziehung eventuell tatsächlich auseinander gehen könnte wenn ich aufhöre, ein schlechtes Gewissen zu haben und mich erst einmal um mich selbst zu kümmern. Ich musste das Risiko eingehen, denn ich wusste:

"So wie ich mich jetzt fühle, darf es nicht weitergehen. Ich muss mich besser fühlen ob mit oder ohne Partner. Hauptsache, das Leben -dieses eine Leben das man hat- wird langsam wieder lebenswert."

Mit dem rationalen Blick auf die tiefsten Abgründe meiner Ängste (den Partner verlassen zu müssen) begann langsam der Stein der Regeneration ins Rollen zu kommen. Aber ganz, ganz langsam. Man nennt das in der Therapie Konfrontation. Bei mir klappte dies hauptsächlich unbewusst; es wird aber in der Therapie ebenfalls viel mit Konfrontationsszenarien gearbeitet, mit denen man sich so lange auseinander setzen muss, bis man so sehr an diese gewöhnt ist, dass die Angst nachlässt.

Ich habe anschließend durch die Therapie gelernt, meine Bedürfnisse wahrzunehmen, die VOR den Zwangsgedanken erscheinen. Ich musste mich beobachten: Welches Gefühl ging dem ZG voraus?

Bei mir war es unter anderem: Ich brauche Rückzug, ich möchte allein sein.
Oder: Ich möchte etwas erleben, aber auch mal ohne den Partner (z.B. mit einer Freundin)

Innerhalb der schlimmsten Zeit kam bei diesen "Wünschen" blanke Panik in mir auf, denn (Achtung, daraufhin folgt nämlich der ZG) "das bedeutet ja, dass..."  oder "..aber das war ja vor Auftreten der Gedanken auch nicht mein Bedürfnis- das bedeutet doch eigentlich dass die Beziehung..." usw.

Aber ich musste mich meinen Bedürfnissen stellen, denn as war die Übung. Also habe ich in Gegenwart meines Partners geschwiegen wenn ich schweigen wollte, gemeckert wenn ich meckern wollte, mich zurückgezogen wenn ich es gebraucht habe, keinen Sex gehabt wenn ich keinen Sex haben wollte, nicht auf  Nachrichten geantwortet wenn ich nicht antworten wollte.

Und ja: Ich brauchte viel mehr Ruhe, viel mehr Rückzug, viel weniger Sex und hatte weniger Lust, zu schreiben oder zu telefonieren als vor Eintritt von rOCD. Aber ich habe es akzeptiert.

Dazu habe ich meine Hobbies wieder gepflegt und mir allgemein sehr viel Ruhe und viel Gutes gegönnt, aber auch Spaß mit Freunden gehabt und mein Leben außerhalb der Beziehung wieder mehr ins Licht gerückt. 

Es war hart, aber es tat mir gut. Ich bin meinen Bedürfnissen gefolgt und damit kam Stück für Stück das Vertrauen in mich selbst zurück. Und meine Freude. Und meine Stärke. Und mein Urteilsvermögen.

Und der Witz ist: Auch die Nähe zu meinem Partner nahm langsam wieder zu, obwohl ich eigentlich (in den Augen gesunder Menschen) vollkommen beziehungsfeindlich handelte.

Dass man sich in dieser Situation aber nicht mit gesunden Menschen vergleichen kann ist mir erst bewusst geworden, nachdem es mir langsam tatsächlich besser ging.

Ich dachte, ich müsste irgendetwas in der Beziehung ändern. Dabei war es nur ich selbst, auf die ich in dieser bestimmten Phase meines Lebens Augenmerk legen musste. Auch wenn ich es zunächst nicht glauben wollte weil ich dachte, ich gebe damit meine Beziehung auf.

Zum Glück ziehen mein Partner und ich an einem Strang. Ich habe ihn zuvor vorgewarnt und er sagte mir, es sei ok, ich solle vor allem wieder glücklich und gesund werden.

Heute nähere ich mich immer weiter dem "Normalzustand" an. Und besser: Ich sehe mich viel stärker als Individuum als vor der Krankheit, ich spüre mich selbst viel mehr. Und das ist ok. Das ist sogar toll. Denn damit nehme ich der Beziehung gar nichts weg -im Gegenteil- ich gebe sogar etwas dazu: meinen persönlichen Beitrag nämlich.

Dadurch dass die Gedanken immer weniger werden, passiert es auch plötzlich wieder häufiger, dass ich meinem Partner nah sein möchte, ihm schreiben möchte, mit ihm reden und mich ihm öffnen möchte etc. Das freut mich natürlich umso mehr, denn damit hatte ich natürlich teilweise gar nicht gerechnet.

Und doch bestärkt es mich wieder, dass diese Zwangsgedanken wirklich eine miese Krankheit sind, die (oft verbunden mit Depressionen) nach einer schwierigen oder stressigen Zeit auftauchen. Und all die Bedürfnisse, die man plötzlich, mit einem Schlag verspürt, müssen beachtet werden, denn sie haben tatsächlich vor allem mit einem selbst zu tun und nicht mit der Partnerschaft. Auch wenn die ZG einem etwas anderes einreden wollen.

Unsere Beziehung hat sich verändert- dadurch dass ich so schonungslos ehrlich ich selbst sein musste und noch immer bin- aber auch das ist ok.
Ich habe ein realistischeres Bild von uns. Ich bin von Wolke 7 gefallen und auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Hier ist es weniger romantisch, aber dennoch wunderschön! Es ist egal wo wir morgen, übermorgen oder in ein paar Jahren stehen werden. Wer von uns kann die Zukunft schon voraussagen? Man könnte morgen schon nicht mehr am Leben sein. Die Hauptsache ist doch, dass es einem heute gut geht!













Donnerstag, 10. September 2015

6: Dem Affen WIRKLICH keinen Zucker geben!!

Es ist hart, zugegeben. Und ich habe ja in einem meiner vorigen Posting bereits erwähnt, dass dieses ewige Gesurfe im Internet kontraproduktiv ist. Da ich aber auch genau weiß, dass man es gerade in schlechten Zeiten einfach nicht lassen kann, möchte ich hier noch einmal eindringlich darauf hinweisen: Tut es nicht!

Wenn ihr euch besser fühlen wollt, dann ist DER Weg jener, sich zu zwingen, es nicht zu tun!

Das Googlen nach Begriffen wie "Liebe", "Ist die Liebe weg?" etc.pp (ich muss Euch ja mit Sicherheit nicht sagen, was nicht alles so gegooglet wird), dient ausschließlich der Rückversicherung und ist Teil der Krankheit.

Nachdem meine Therapeutin mich ebenfalls mehrmals darauf hinweisen musste, glaubte ich irgendwann, es endlich verstanden zu haben:" Du wirst dich niemals besser fühlen, wenn du diesen Kreislauf nicht durchbrichst!" Und dann bin ich es nach so langer Zeit endlich wirklich und ernsthaft angegangen. Ich habe aufgehört, mich rückzuversichern.

Normalerweise ist es ja wie folgt:

  • Der Zwangsgedanke kommt
  • Die Angst steigt auf
  • Man hat das Gefühl, etwas tun zu müssen
  • Man googelt diverse Seiten/ fragt Mitmenschen um ihre Meinung- um die Gedanken und Ängste zum Schweigen zu bringen.

Dann folgt entweder:

1. Man fühlt sich kurzzeitig besser, weil man etwas Gutes gelesen hat, doch die Entspannung bleibt leider nur bis zum nächsten Zwangsgedanken.

oder

2. Man fühlt sich noch schlechter weil man etwas gelesen hat, dass man lieber nicht hätte lesen sollen (und dem kann man leider niemals entgehen)


Beide Ergebnisse der Rückverischerung haben eines gemeinsam: Sie sorgen dafür, dass der Kreislauf weitergeht weil entweder ein neuer ZG auftaucht oder weil sich der ZG durch die negative Information verstärkt.

Alle Zwangskrankheiten basieren auf starken Schuldgefühlen, welche auf diesem Wege am Leben gehalten und immer wieder aufgefrischt werden. Baut sich die Schuld ab, nehmen die Ängste und Gedanken ab. Aber das funktioniert nur, indem man aufhört, sich mit Meinungen und Informationen anderer vollzuschütten.

Man muss irgendwann akzeptieren, dass es nicht DIE ultimative Meinung über das Thema Liebe gibt. Alles was zählt, ist man selbst. Und hier beginnt dann die eigentliche Arbeit:

Wenn man aufhört, sich Meinungen von anderen Menschen einzuholen (sei es real oder virtuell), muss man wieder beginnen, auf die eigene Stimme zu hören. Dies ist so schwer, weil man verunsichert ist und mit der Zeit so gar nicht mehr weiß, was man selbst eigentlich für eine Ansicht vertritt. All die Meinungen anderer, die man sich eingeholt hat, haben einen in der Zwischenzeit so verwirrt, dass man gar keine Entscheidung mehr treffen kann, weil man die eigenen Wünsche und Gefühle unter all der Informationsflut verdeckt hat. 

Ich habe mir also gesagt: Es ist mein Leben und ich treffe meine Entscheidungen selbst. Ich lasse mich nicht mehr verunsichern, sondern versuche jetzt, mit meinen eigenen Erfahrungen, meinem eigenen Lebensweg und Wünschen herauszufinden, ob an den Gedanken etwas dran ist oder nicht.

Und siehe da: Nach drei Monaten ohne Surfen und Rückversichern (aber natürlich mit zusätzlicher Arbeit an mir selbst) sind die Ängste konstant zurückgegangen und ich konnte mich endlich wieder auf die Beziehung besinnen, wie ICH SELBST sie sehe. Und sie gefällt mir super :)

Man muss verstehen, dass wir alle eines gemeinsam haben: Wir haben aufgrund der Zwangsgedanken Schuldgefühle unserem Partner gegenüber und wir vertrauen lieber auf die Meinung eines anderen als auf die eigene Intuition. Das gilt es zu ändern.
 
In diesem Sinne sage ich noch einmal, weil ich es selbst von meiner Therapeutin so oft gehört habe: Durchbrecht den Kreislauf und hört auf, die Gedanken durch Infos neutralisieren zu wollen. Es funktioniert nicht. Konzentriert euch stattdessen ausschließlich auf euch und die Therapie.

Es geht nicht um die Erfahrungen anderer. Es geht um euer eigenes Leben. Und hier trifft man selbst die Entscheidungen!
Liebe Follower!
 
Nachdem ich in einigen Mails gefragt wurde, wie sich die Situation bei mir mittlerweile entwickelt hat, möchte ich die Gelegenheit nutzen und Euch einfach mal kurz den aktuellen Stand der Dinge mitteilen.
 
Ich habe mich die letzten Wochen bewusst etwas zurückgezogen weil ich gespürt habe, dass es das Richtige ist. Ich habe die Zeit genutzt um weiter an mir zu arbeiten (insbesondere innerhalb der Therapie) und versucht, wieder ein bisschen Normalität in mein Leben zu bringen.
 
Die Zeit tat gut und ich kann mit ruhigem Gewissen sagen: Es geht mir gut!
 
Es wird von Tag zu Tag besser und das ist ein tolles Gefühl, weil sich innerhalb des Regenerations-Prozesses ja immer mal wieder der Zweifel einschleicht, dass es jemals wieder besser werden könnte.
 
Ich kann Euch hiermit versichern: Es wird besser! Und ich möchte Euch Mut machen, durchzuhalten!
 
Es ist ein langer Weg und man muss wirklich die Chance nutzen, sein eigenes Denken auf den Kopf zu stellen und an sich zu arbeiten. Das Ergebnis dessen ist allerdings, dass es Stück für Stück wieder bergauf geht und auch andere Probleme im Leben aufgearbeitet werden, sodass man sogar als Person insgesamt gestärkt aus der Sache hervor geht!
 
Es ist in den letzten Monaten fast nicht mehr der Fall gewesen, dass ich einige gute Tage hatte und einige schlechte (wir am Anfang, als dieses Hin und Her tatsächlich täglich auftrat), sondern es ist konstant bergauf gegangen, bislang ohne Rückschläge. Dass es langsam voran geht, muss man auf jeden Fall wissen und akzeptieren!
 
Vor drei/vier Monaten ging es mir noch -sagen wir mal- so halbgut, worüber ich aber schon froh war, da ich im Großen und Ganzen gesehen habe, dass es zwar nicht perfekt ist, jedoch langsam aber sicher wieder Normalität eintritt. Ich habe akzeptiert, dass es nicht von heut auf morgen wieder besser wird, mir die Zeit gegeben und mich täglich dafür bedankt, dass das Leben langsam wieder lebenswert wurde und die Angst vor meinem Gedanken langsam abgenommen hat.
 
Und heute suchen mein Mann und ich nach einer größeren gemeinsamen Wohnung! Ich kann sagen, dass auch die Liebe langsam wieder zurückkehrt. Es ist also tatsächlich so, dass die zwanghaften Gedanken und Zweifel sämtliche Gefühle überlagern. Und wenn sie mit der Zeit vergehen und ganz besonders die Schuldgefühle und Ängste, dann kehrt mit der Entspannung auch die positive Einstellung zum Partner zurück.
 
Es ist toll! Und ich weiß, es wird auch in den nächsten Wochen Fortschritte geben!
 
Haltet also durch, es lohnt sich, auch wenn es manchmal so ausweglos wirkt.
 
In meinem nächsten Post möchte ich übrigens gern darauf eingehen, welche weiteren Mittel und Einstellungen mir in der letzten Zeit geholfen haben!
 
 
 
 

Sonntag, 31. Mai 2015

Buchtipp: Den Kopf ausschalten

Hallo Ihr Lieben!
Heute möchte ich eine klitzekleine Empfehlung aussprechen.

Ein Buch, das mir immer wieder hilft, aus schwierigen Phasen den Ausstieg zu finden, ist das Buch "Jetzt - Die Kraft der Gegenwart" von Eckhart Tolle.

Ich möchte hier natürlich keine Schleichwerbung machen, sondern euch einfach nur ans Herz legen, was mir bisher geholfen hat.

In dem erwähnten Buch geht es um die Auflösung der Identifikation mit Gedanken und Gefühlen. Dies lässt einen den Blickpunkt des Beobachters einnehmen. Der Grundgedanke dieser Idee ist ebenfalls Teil der kognitiven Verhaltenstherapie, also bewiesenermaßen hilfreich.

In diesem Buch stehen Massen an sinnvollen Tipps, die man auf jeden Lebensbereich anwenden kann und jede Seite ist voll mit Inspirationen, die einen immer wieder zustimmend nicken lassen.

Das Buch ist zu meiner Bibel geworden und ich empfehle, es langsam durchzuarbeiten oder ggf. mehrmals durchzulesen, denn viele tolle Anstöße überliest man auf die Schnelle.

Im Großen und Ganzen geht es hier eigentlich um Bewusstheit- darüber, dass erst die Bewertung eines Gedanken (durch Konditionierung) ein Problem zu einem Problem macht.

Eckhart Tolle geht davon aus, dass es generell keine Probleme an sich gibt, denn diese entwickeln sich durch das Denken und drehen sich hauptsächlich um Dinge oder Situationen, die bereits geschehen sind oder solche, die in Zukunft eventuell (!) geschehen könnten. Dadurch, dass es aber nichts außer der Gegenwart gibt, hält er jedes Problem für eine "hausgemachte" Illusion, denn im Hier und Jetzt geht es uns eigentlich gut.

Gäbe es in unseren Köpfen also weder Zukunft noch unsere Vergangenheit...ginge es uns gut!

Wir können weder Vergangenheit noch Zukunft greifen; wir können sie nicht lenken oder kontrollieren. Wir können nichts davon mitnehmen und es bleibt am Ende auch nicht davon übrig.


Klingt auf den ersten Blick ziemlich esoterisch, ist aber super verständlich geschrieben und im Grunde genommen mehr als wahr. Man muss sich einfach mal drauf einlassen, denn zu verlieren hat man ja nichts.

Wo mir das Buch am meisten hilft, ist aus der Gedankenkette auszubrechen, wenn ich allein bin. Gerade dann hat man so viel Zeit, alle Eventualitäten, Fehler, Missstände gedanklich durchzukauen, vor allem die Beziehungstechnischen (in Bezug auf rOCD). Ich habe gelernt, dass genau dieses ständige Gedankenkreisen (um das Problem des Zwangsgedanken zu "lösen") in Wirklichkeit erst die ganzen Probleme losgetreten haben:

Ich war damals gestresst und ängstlich als das alles plötzlich begonnen hat; habe angefangen, tagelang nach Gründen für meinen Zustand zu suchen und kam irgendwann auch auf diesen EINEN Gedanken (ihr wisst schon, den mit der Liebe). Diesen habe ich fälschlicherweise mit dem Gefühl identifiziert (Ergebnis: Starke Panik) und damit begann der Schneeball-Effekt. Man versucht, den schrecklichen Gedanken entgegenzuwirken, Gegenargumente zu finden, sie wieder über den Haufen zu werfen, neue Ideen zu entwickeln, mit sich selbst zu diskutieren und kommt am Ende doch wieder nirgendwo an.
Es ist wie ein Monopoly-Spiel: man landet immer wieder auf LOS ohne eine Straße gekauft zu haben.

Besonders stark diskutierte ich mit mir selbst, wenn ich allein war und mein "Problem" unbedingt schnell lösen wollte (auf Verstandesebene). Es funktioniert einfach nicht! Besonders nicht bei aufdringlichen Zwangsgedanken. Das ist als würde man Feuer mit Feuer bekämpfen.


Im Bereich Liebe und Beziehung geht es darum, den Kopf auszuschalten, im Hier und Jetzt zu verweilen und einfach zu genießen, anstatt zu analysieren.


Es ist ein erster befreiender Schritt, sich hin und wieder (oder immer öfter) wohl zu fühlen, wenn man allein ist. Doch aus Erfahrung heraus muss ich sagen, dass es für mich noch schwieriger ist, Eckhart Tolles Tipps umzusetzen, wenn man einen akuten Angstschub bekommt während der Partner anwesend ist, da es in dem Moment so verführerisch scheint, all die Ängste auf diesen Menschen zu richten.

Aber all das ist ja auch ein Prozess, vielleicht klappt ja auch das irgendwann :)

Dienstag, 12. Mai 2015

5: Ich bin nicht nur DAS!

Das, was die Zwangsstörung ausmacht, ist die Fokussierung auf ein bestimmtes Thema. Oftmals wechseln diese Themen von Zeit zu Zeit- wie ich ja bereits versucht habe zu erklären.

Ich hatte schon hypochondrische Zwangsgedanken in Bezug auf meine Gesundheit. Diese hielten exakt solange an, bis ich schwarz auf weiß hatte, dass ich gesund bin. Anschließend waren meine Symptome und Gedanken verschwunden.

Das Problem, wenn der ZG in rocd übergeht ist, dass man die gewünschten Antworten niemals schwarz auf weiß haben wird. Dass es niemanden gibt, der einem Antworten attestieren wird. Deshalb bleiben die Gedanken in jenem Bereich gern hängen. Man kommt zu keinem Ergebnis.

Um sie loszuwerden ist es wichtig, zu sehen, dass der Fokus 24h am Tag auf der Beziehung liegt und daraufhin zu erkennen, dass man aus mehreren Persönlichkeitsanteilen besteht,

Was mich ausmacht ist nicht nur die Beziehung zu meinem Partner. Ich bin nicht nur Partnerin.

Ich bin ebenfalls die Arbeiterin im Büro.
Ich bin die beste Freundin.
Ich bin die gute Freundin.
Ich bin ein Familienmitglied.
Ich bin die Kreative.
Ich bin die, die ich bin, wenn ich ganz für mich allein bin (still, entspannt, bei mir).
...
usw.

So kann ich mich vom rocd-Fokus und den Verlustängsten etwas distanzieren und nehme ihnen die Wichtigkeit. Zu verstehen, dass -selbst wenn die Beziehung aus irgendwelchen Gründen auseinander gehen sollte- bloß eine dieser ganzen Säule meines Lebens wegfallen würde, beruhigt mich. Ich bin dann immernoch ich. Ich bin vieles, aber nicht ausschließlich Partnerin.

Vielleicht ist tatsächlich einer der Wege, zu erkennen, wer man sonst noch ist -und diesen Bereichen ebenso hohe Wichtigkeit zukommen zu lassen, wie man es momentan in der Partnerschaft tut. Vielleicht sind gibt es aber auch Persönlichkeitsanteile, die man früher einmal besaß und im Laufe der Zeit vernachlässigt hat?

So möchte ich mich in Zukunft wieder mehr folgenden Themen widmen:
Ich bin die Schreiberin.
Ich bin die Träumerin.

Das schafft neue Freiheiten. Und die persönliche Freiheit (Entscheidungsfreiheit, Stärke, Unabhängigkeit) führt einen am Ende genau dorthin, wohin man möchte: (zurück) zur wahren Liebe.

Also überlegt mal: Wer seid/wart ihr denn eigentlich?

Freitag, 8. Mai 2015

4: Akzeptanz! Ich weiß es nicht.

Es ist wohl auch eine der Königsdisziplinen, zu akzeptieren, was ist. Und vor allem zu akzeptieren, dass ein Gedanke sich zu einem zwanghaften Verhalten transformiert hat und das Ganze sich nicht mehr bloß auf die Beziehung zurückführen lässt.

Die Zwangsstörung wird auch als Krankheit des Zweifelns beschrieben. Zweifel an der eigenen Person und folglich die Suche nach Vergewisserung und Sicherheit.

Das Problem ist, dass sich die zwanghaften Gedanken meist um Dinge drehen, die auf die sich niemals eine Antwort finden lässt.

Wer gibt mir die Sicherheit, dass ich niemals jemandem etwas antun würde? Wer kann mir sagen, dass ich nicht ein schlechter Mensch bin? Woher die Gewissheit nehmen, dass ich nicht schon einmal etwas Schlimmes getan habe oder dass ich in Zukunft nicht etwas vollkommen Unangebrachtes und Falsches tun werde? Dass ich vollkommen gesund bin? Dass ich normal bin?Wer kann mir versichern, dass ich meinen Partner liebe?

Die Wahrheit ist: Niemand kann das. Es sind subjektive Angelegenheiten, auf die man nur selbst die Antwort finden kann indem man erst einmal akzeptiert, dass man all das zunächst gar nicht wissen kann. Auch die Gedanken kreisen zu lassen, wird einem nicht die vollkommene Befriedigung dieser Fragen bringen, denn unser Gehirn ist super darin, auf jede mögliche Antwort ein "Ja, aber..." zu finden. Es hat keinen Zweck, das Problem durch den Kopf lösen zu wollen.

Der zwanghafte Charakter tut sich jedoch schwer mit Akzeptanz, da er sich gern dadurch auszeichnet, der 100℅igen Sicherheit hinterher zu jagen. Und doch ist Akzeptanz der ständigen Unsicherheiten im Leben der erste und aller wichtigste Schritt auf dem Weg zur Besserung. Auch wenn diese Unsicherheiten für uns elementar wichtige Lebensbereiche betreffen. Vielleicht ist es gerade in diesen Bereichen wichtig, "loslassen" zu lernen.

Ich habe mich oft gefragt:" in wieweit bringt mich dieser Gedanke nun weiter?" wenn der Kopf wieder auf Autopilot gestellt war. Und im Endeffekt brachte mich keiner der Gedanken bisher weiter, denn vor allem das folgende "Ja, aber..." kann mich verrückt machen. Es lehrt einen das Fürchten. Es hört nicht auf. Bis man akzeptiert:

Es gibt keine Antwort.